Mit ETFs starten – Einfaches Weltportfolio aufbauen!

Mit ETFs zu starten ist gar nicht so einfach, wie es zuerst scheint. Auch mir fiel es damals schwer, nachdem ich „Souverän investieren“ gelesen hatte und am liebsten direkt gestartet wäre. Leider stellte ich dann fest, dass doch noch eine Menge Arbeit und Recherche vor mir liegt. Im Folgenden möchte ich aufzeigen, welches Vorgehen und Setup ich für den Start empfehlen würde und wie sich ein einfaches Depot mit zwei Aktien ETFs aufbauen lässt. Denn am wichtigsten ist es aus meiner Sicht, überhaupt zu starten und sein Geld nicht ungenutzt auf dem Girokonto versauern zu lassen. Werde also aktiv, um passiv Vermögen aufzubauen!

Passives Investieren: Eigentlich ganz einfach!

Im Kern ist passives Investieren einfach und von jedem anwendbar. Dabei sollte man aber folgende Punkte beachten und insbesondere langfristig befolgen:

  • Die Anlage möglichst breit diversifizieren und damit risikominimieren
  • Die Transaktionskosten (Ordergebühren etc.) möglichst gering halten
  • Sein Investment auf einen langfristigen Anlagehorizont hin anlegen

Die Kunst liegt darin, dies langfristig durchzuhalten. Das heißt über einen Zeitraum, der gut und gerne zwanzig oder dreißig Jahre umfassen kann. Meine folgenden Empfehlungen fußen auf den Kernpunkten breite Diversifikation und weitgehende Kostenneutralität.

Das Setup: 2 ETFs plus Tagesgeld

Wichtig ist es zuerst einmal, sich über das richtige Setup im Klaren zu sein. Für den Start würde ich eine Zusammenstellung aus zwei Aktien ETFs auf den Welt-Aktienmarkt plus Tagesgeld empfehlen. Die beiden ETFs decken dabei den risikobehafteten Teil ab, der für die Rendite zuständig ist. Das Tagesgeld deckt den „risikofreien“ Teil ab, den Sicherheitsanker. Zu 70 Prozent wird das Risiko-Budget in einen ETF auf den MSCI World gesteckt, zu 30% in einen ETF auf den MSCI Emerging Markets. Dadurch erlangt man eine breite Diversifikation und Risikostreuung.


Idealtypische Aufteilung ETFs
Aufteilung des Gesamt-Portfolios auf zwei ETFs und Tagesgeld.

Wie viel von seinem vorhandenen Budget man in den risikobehafteten Teil (Die Aktien ETFs) und wie viel man in den risikofreien Teil (Das Tagesgeld) steckt, hängt von seiner eigenen Risiko-Neigung ab. Dies ist eine ganz individuelle Entscheidung und hier gibt es kein Richtig und kein Falsch. Ich selber bin beispielsweise mit einer Aufteilung von 80% im risikobehafteten Teil und 20% im „risikofreien“ Teil gestartet. Solltest du dir unsicher sein, starte lieber erst einmal mit einem niedrigeren Anteil, den du in die Aktien ETFs steckst. So gewöhnst du dich an ETFs, den Risiko-Teil kannst du in der Zukunft immer noch erhöhen.

Die Wahl des richtigen Brokers

Für die Auswahl des Brokers, bei dem du dein Depot eröffnest, solltest du ruhig ein wenig Zeit investieren. Auch die Eröffnung mehrerer Depots bei unterschiedlichen Banken kann im Zweifel eine Option sein. Die Haupt-Kriterien bei der Auswahl sollten sein:

  • Zu welchen Gebühren bietet die jeweilige Bank die von mir präferierten ETFs an?
  • Fallen Depotgebühren oder sonstige regelmäßige Kosten an?
  • Welche Gebühren fallen für Sparpläne und einmalige Käufe an?

Auch solltest du für dich die Frage beantworten, ob du das Depot bei deiner „Hausbank“ eröffnen möchtest, bei der du das Depot unter Umständen bei jedem Log In ins Online-Banking checkst. Meiner Meinung nach kann es durchaus hilfreich sein, Girokonto und Depot bei zwei verschiedenen Banken zu haben. So überprüfst du deinen aktuellen Depotstand nur zu ganz bewussten Anlässen und machst dich nicht durch täglichen Performance Check selbst verrückt. Aber das muss jeder ganz individuell für sich selbst entscheiden.

Ich selber habe ausschließlich Erfahrungen mit Direktbanken gesammelt und würde aufgrund der Flexibilität und der Möglichkeit, alles „von zu Hause“ aus zu erledigen, auch nur diese empfehlen. Darüber hinaus hört man ja auch immer wieder davon, dass Filialbanken nur äußerst widerwillig ETFs verkaufen… Die Auswahl an Direktbanken ist sehr groß und vielfältig. Meine Empfehlung aus persönlicher Überzeugung ist die ING DiBA. Diese bietet folgende Vorteile:

  • Kostenloser Kauf von ETFs ab 500€ Einmal-Investment
  • Große Auswahl von ETFs, die ohne Transaktionskosten erworben werden können
  • Kostenlose Depotführung

Lediglich bei Sparplänen auf ETFs schätze ich die ING DiBA als nicht so stark ein. Möchtest du also lieber mit Sparplänen sparen, lohnt es sich sicherlich, die einzelnen Broker hierauf und auf ihre Gebühren zu überprüfen. In vielen Fällen bieten die einzelnen Banken ihre hauseigenen ETFs zu guten Konditionen als Sparplan an.

Konkrete Umsetzung mit World und Emerging Markets ETF

Nun geht es in die konkrete Umsetzung und den Kauf der Aktien ETFs. Dabei empfehle ich, wie bereits geschrieben, eine Aufteilung von 70% in den MSCI World und von 30% in den MSCI Emerging Markets. Dabei solltest du dir über folgende Punkte Gedanken machen:

  • Welche Replikationsmethode (Volle Replikation, Sampling, Swap) sollte der ETF nutzen?
  • Soll der ETF ausschüttend oder thesaurierend sein?
  • Sparplan oder „direkter“ Kauf?

Die Replikationsmethode

Als Replikationsmethode würde ich die volle Replikation oder das Sampling empfehlen, da sie aus meiner Sicht die sichereren Varianten im Vergleich zu geswappten ETFs darstellen. Solltest du dich doch für Swaps entscheiden, würde ich dir empfehlen, dass diese nur einen Teil deines Portfolios ausmachen.

Auschüttend oder thesaurierend?

Ebenso tendiere ich, zumindest wenn dein Sparerfreibetrag noch nicht ausgeschöpft sein sollte, zu der ausschüttenden Version. Die Ausschüttungen werden dann zwar direkt versteuert, aber du läufst auch nicht Gefahr, dich einer in der Zukunft gegebenenfalls restriktiveren Steuergesetzgebung zu unterwerfen. Außerdem kannst du die Ausschüttungen zum Rebalancing nutzen. Solltest du allerdings dazu neigen, diese Ausschüttungen zu verkonsumieren, ist gegebenenfalls ein thesaurierender ETF die bessere Wahl für dich.

Zur Frage Ausschüttend oder thesaurierend findest du hier einen Beitrag von Gerd Kommer & Team.

Sparplan oder Direktkauf?

Ob du dich für einen Sparplan oder einen direkten Kauf der ETFs entscheidest, ist aus meiner Sicht von deinen persönlichen Vorlieben und dem zur Verfügung stehendem Kapital abhängig. Hast du nur sehr geringe monatliche Sparraten und möchtest du möglichst wenig Arbeit haben? Dann ist ein in regelmäßigen Abständen automatisch ausgeführter Sparplan wahrscheinlich die bessere Wahl für dich. Macht es dir nichts aus, ab und an Zeit für die Käufe zu investieren und hast du vielleicht auch hohe Geldbeträge, die du monatlich sparen kannst? Dann könnten Einzelkäufe die richtige Wahl sein.

Hier noch ein Beispiel, wie eine konkrete Umsetzung für ein Start-Investment von 10.000€ aussehen könnte:

  • ETF MSCI World = 4.200€
  • ETF MSCI Emerging Markets = 1.800€
  • Tagesgeld = 4.000€

Beispielhafte Aufteilung ETFs
Beispielhafte Aufteilung von 10.000€ Kapital auf zwei ETFs und Tagesgeld mit 60% im risikobehafteten Teil und 40% im risikofreien Teil.

Die Aufteilung zwischen dem risikobehafteten Aktien-Teil und dem „risikofreien“ Tagesgeld-Teil beträgt in diesem Beispiel 60/40. Je nach deiner persönlichen Risikoneigung kann diese Aufteilung bei dir selber aber auch anders aussehen.

Weiterer Ausbau: Immobilien, Rohstoffe, Anleihen, Faktorprämien

Ich habe dir nun eine sehr einfache Möglichkeit aufgezeigt, bereits mit zwei ETFs auf verschiedene Indizes mit ETFs zu starten. Möchtest du dies nun weiter diversifizieren und weitere Asset-Klassen hinzunehmen, bieten sich Immobilen, Rohstoffe und Anleihen an. Auch die Nutzung sogenannter Faktorprämien ist denkbar. Dies lässt sich über weitere ETFs abbilden, die du zu den bereits bestehenden deinem Depot beimischst.

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